Information ist eine Differenz, die eine Differenz verursacht….
(Titel vgl. sueddeutsche.de, 2008 (*))
Diese Differenzen resultieren in Unbestimmtheiten, die eine Flexibilitätssteigerung verlangt.
Flexibilitätssteigerung ist durch Lern- und Bildungsprozesse erreichbar. (vgl. Jörissen/Marotzki, 2009, S. 22 (*))
Mit diesem Thema hat sich Gregory Bateson ausführlich beschäftigt.
Sein klassisches Lernmodell (vier aufeinander aufbauende Lernebenen) wird von Jörissen/Marotzki benutzt und modifiziert (vgl. Jörissen/Marotzki, 2009, S. 22 (*)).
Zunächst wollen wir diese Lernebenen erklären:
- Lernen I
- Starre Koppelung von Reiz und Reaktion
- Ein bestimmter Reiz löst EINE bestimmte Reaktion aus, Alternativen unmöglich
- Vollkommene Bestimmtheit
- Lernen II
- Reiz löst unter Kontextbezug eine Reaktion aus
- Verschiedene Reaktionen in verschiedenen Kontexten mit demselben Reiz
- Kontexterkennung und -sortierung mit entsprechender Reaktion
- Flexibilisierung der Reizreaktionen mittels Rahmungen
- Unbestimmtheiten wachsen: Kontext bestimmt (zugrundeliegende kognitive Muster und Schemata bestimmt), Reiz unbestimmt
- Bildung I
- Flexibilisierung der Rahmungen und Kontexte
- Lernprozesse mit Veränderung von Ordnungsschemata und Erfahrungsmustern = Bildungsprozesse
- Veränderung der Konstruktionsmöglichkeiten von Welt- und Selbstverhältnissen durch Bildungsprozesse
- Durchschauen der eigenen Verhaltensmuster mit Veränderung des Weltzugangs ermöglicht anderen Zugang zu sich selbst
- Konstruktion “unserer” Welt durch eigene Wahrnehmungsweisen
- Pluralisierung von Erfahrungsmustern ergibt auch sich aussschließende Perspektiven (Divergenzerfahrung)
- Dezentrierung des eigenen Weltbildes
- Kennenlernen und Erfahren von Paradoxien
- Unbestimmtheit steigt
- Bildung II
- Steigerung und Differenzierung des Selbstbezugs führt zu Selbstbeobachtung (nur sehr begrenzt möglich)
- Begrenztheiten sind nicht immer in den Griff zu bekommen.
- Erfahrungsschemata begrenzt
- Erfahrungsausblendungen nicht kontrollierbar: “Wir sehen nicht, was wir jeweils nicht sehen”
Somit wird es zu einer Notwendigkeit “alle Erfahrungsmodi bewusst und spielerisch als eine Weise der Selbst- und Weltaufforderung unter anderen Möglichen zu sehen und auch aktiv zu nutzen.” (Jörissen/Marotzki, 2009, S. 23ff (*)). Tentativität (+)) wird damit zu einem zu selbst ergebenden Programm und Freiheit von den eigenen Gewohnheiten erreicht.
Die in Bildung II beschriebenen Prozesse sind begrenzt, ich kann mir nicht vorstellen, ALLE Erfahrungen und Weltsichten über Bord zu werfen. Aus dem Fenster meiner Wohnung (13.OG) zu springen, muss ich nicht unbedingt testen.
Mir selbst die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen neu zu machen, ist hier der springende Punkt.
Zusatz (24.11.09): Sich selbst zu beobachten, reflektieren und die eigenen Rahmungen variabel gestalten.


